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Predigt Matthäus 11, 2-10_3.Advent 14.12.2014 Eisenstadt

„Was seid ihr hinausgegangen zu sehen…?“

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde!

Der 3.Adventsonntag hat nach kirchlichem Brauch als „Leitfigur“ Johannes den Täufer.

Diese markante Persönlichkeit in der Tradition der alttestamentlichen Propheten, in Form und Inhalt irgendwie angesiedelt zwischen Altem und Neuem Testament.

Er ist der Vorbote Jesu, der Wegweiser hin auf den kommenden Messias.

Wenn die vier Evangelisten von Johannes erzählen, dann zitieren sie alle den Propheten Jesaja: „Bereitet dem Herrn den Weg“ – auch Wochenspruch für den 3.Advent.

„Bereitet dem Herrn den Weg“ … Bahnt einen Weg für ihn durch die Wüste, baut eine Straße für unseren Gott“ – wir haben es in der Lesung gehört. Martin Luther King hat darauf seine berühmte Rede „I have a dream“ aufgebaut.

Johannes der Täufer, der Wegweiser auf Jesus hin, ist so zur Symbolfigur des Advent geworden.

Advent kommt aus dem Lateinischen und bedeutet bekanntlich „Ankunft“.

Und das ist wohl das Eigentliche an dieser Zeit vor Weihnachten … so viele Dinge und Bräuche und Pflichten und Termine auch sonst damit verbunden sind …

Irgendwie schlägt das Eigentliche doch immer wieder durch, und sei es in unbestimmten Gefühlen: Erwartung, Vorbereitung … irgendetwas kommt, das anders ist, das diese Zeit von den anderen Zeiten des Jahres unterscheidet.

Der Adventkranz ist ein Zeichen dafür. Als evangelische Erfindung des Hamburger Pfarrers Johann Hinrich Wichern im „Rauhen Haus“ für vernachlässigte und verwaiste Kinder feiert er heuer seinen 175.Geburtstag.

Gemeinsam haben wir die erste Kerze angezündet am Samstag des Kirchweihfestes.

Nun brennt bereits die dritte Kerze.

Nur mehr wenige Fenster des Adventkalenders bleiben zu öffnen übrig.

Die Erwartung steigt. Die Kinder werden schon ein wenig nervöser. Nicht nur wegen der Geschenke.

In der Schule warten noch letzte Schularbeiten … Anordnung unseres Direktors: „Alle Schularbeiten müssen vor Weihnachten zurückgegeben werden“…

Und nicht wenige sind bei Krippenspielen, Feiern, vorweihnachtlichen Konzerten eingebunden, müssen noch Rollen lernen, Flötenstücke üben – und die braven Eltern dürfen Taxi spielen …

Die Erwartung steigt, und auch der Druck: Dies ist noch zu erledigen, jenes noch vorzubereiten.

Wir könnten in das alljährliche Klagelied über die vorweihnachtliche Hektik einstimmen, den Kommerz und den Ärger darüber, dass schon Wochen vor dem Hl. Abend „Stille Nacht“ aus den Lautsprechern dröhnt.

Das möchte ich heute nicht tun.

Erstens, weil ich meine, dass hinter mancher Fassade mehr an echten Gefühlen und sehnsüchtiger Erwartung steckt als man meint … oder einem auch selber bewusst ist.

Und zweitens, weil mich die Frage Jesu an die Anhänger des Johannes aus unserem Predigtabschnitt beschäftigt hat: „Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“

Wir hören Matthäus 11, 2-10:

Als Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen:

"Bist du es, der da kommen soll,

oder sollen wir auf einen andern warten?"

Jesus antwortete und sprach zu ihnen:

"Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:

Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt;

und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert."

Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden: "Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen?

Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht?

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen?

Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige.

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Wolltet ihr einen Propheten sehen?

Ja, ich sage euch: er ist mehr als ein Prophet.

Dieser ist's, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«"

"Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen?“

Ich möchte diese Frage aufgreifen und weiterspielen an uns.

Zuvor aber noch ein Blick auf diesen Johannes, den Täufer, Symbolgestalt des Advent.

Eine markante Persönlichkeit, Jugendliche würden sagen: „a wüda Hund“ …

Gekleidet mit Kamelhaaren, mit markigen Sprüchen, gegen die Abraham a Santa Clara wie Vogelgezwitscher klingt …

In der Wüste hat er sich vorbereitet auf seinen Auftrag, bevor er die Botschaft der Umkehr verkündet, bevor er Jesus tauft, bevor er zum Wegweiser auf Jesus hin wird.

Bald haben sich Jünger um ihn gesammelt, wie das auch bei anderen charismatischen Personen der Fall war.

Aber er hat diese Jünger letztlich nicht an sich gebunden, sondern sie weiter verwiesen an den, der da kommen sollte …

An den, von dem Johannes bezeugt hat, er sei nicht wert, die Riemen seiner Sandalen zu lösen. An den, von dem er gesagt hat, er sei viel größer als er selbst. An Jesus, den Christus.

Nun war Johannes im Gefängnis gelandet, weil er es gewagt hatte, die sittenwidrige Heirat des Herodes Antipas mit der Frau seines Halbbruders zu kritisieren.

Aus dem Gefängnis schickt er seine Jünger zu Jesus, um ihn zu fragen: „Bist Du der, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Bist du einer der Messiasgestalten, die es damals in großer Zahl gegeben hat, vielleicht auch heute noch gibt – oder bist Du der richtige Messias?

Als die engeren Jünger des Johannes gegangen waren, wandte sich Jesus an das „Volk von Johannes“, also an seine offenbar zahlreichen Anhänger:

"Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen?“

Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht?

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Ein Rohr, das der Wind hin und her weht … Viele vermuten dabei eine ironische Anspielung auf Herodes Antipas, denn Herodes ließ damals gerade Münzen prägen mit einem Schilfrohr drauf.

Ein Rohr, das der Wind hin und her weht …

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen?

Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige.

Die werdet ihr in der Wüste nicht finden, die sitzen an den Tischen der Reichen.

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Wolltet ihr einen Propheten sehen?

Ja, er ist ein Prophet – und mehr als das, sagt Jesus:

Ja, ich sage euch: er ist mehr als ein Prophet.

Dieser ist's, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«"

Wieder dieses Wort aus dem Propheten Jesaja, der Wochenspruch für den 3.Advent:

„Bereitet dem Herrn den Weg“!

„Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“

Ich habe gesagt, ich spiele diese Frage weiter an uns. In diese Zeit des Advent, der oft so unbestimmten Erwartung, der Vorbereitung auf etwas, das für Viele gar nicht mehr so benennbar ist, aber trotzdem eine Saite in ihnen zum Klingen bringt.

„Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“

Wollt ihr die Kerzen am Adventkranz nur anzünden, eine nach der anderen, weil es halt so Brauch ist, oder steckt dahinter nicht auch eine tiefe Sehnsucht, dass in unseren Herzen und Häusern, auch in unseren Kirchen und Gemeindesälen ein paar Lichter mehr leuchten, um die Schatten zu vertreiben, die es überall gibt.

Wollt ihr nur deshalb Geschenke besorgen, weil es so üblich ist. Oder steckt dahinter trotz manchem Stöhnen nicht doch auch der Wunsch, Gefühle auszudrücken, Verbundenheit und Wertschätzung zu zeigen, vielleicht sogar Liebe. Oder einfach, einem anderen eine freude zu bereiten.

Machen wir nur deshalb Weihnachtsputz, weil es ab und zu einfach notwendig ist, und ein gutes Gefühl bringt, wenn äußerlich wieder das Meiste in Ordnung ist.

Oder hat das nicht auch ein wenig mit dem eigenen Inneren zu tun, mit der eigenen Seele.

Die ab und zu auch einen „Weihnachtsputz“ braucht. Da gibt es manchen Staub zu wischen, der sich im Lauf der Zeit angesammelt hat, oft einfach so, ganz ohne unser Zutun. Und trotzdem stört er.

Da liegen Dinge herum, die längst weggeräumt gehörten. Ein unbedachtes Wort, ein Splitter vom letzten Streit, der beim Draufsteigen immer noch weh tut.

In der Ecke und im Badezimmer vielleicht noch Schmutzwäsche, die daran erinnert, dass nicht alles ganz sauber ist in unserem Leben.

Die Schmutzwäsche des Körpers schafft mühelos die Waschmaschine, für die der Seele gibt es einen Ort, wo man sie abgeben kann – die Krippe und das Kreuz.

Gemeinsam mit den Sorgen, die uns tags nicht ruhig arbeiten und nachts nicht ruhig schlafen lassen. Auch die dürfen wir hinbringen und abgeben – in der Krippe und am Kreuz.

„Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“

Vielleicht steckt hinter all den Sitten und Gebräuchen, hinter Schenken und Beschenktwerden, hinter Putzen und Vorbereiten, hinter Keksen und Glühwein viel mehr Ahnung oder auch Sehnsucht danach, dass unser Leben einen tieferen Sinn hat. Und dass dieser tiefere Sinn mit dem Geheimnis von Weihnachten zusammenhängt.

Ich lasse diese Predigt offen ausklingen.

Advent ist eine offene Zeit.

Eine Zeit der Besinnung, der Erwartung, der Vor-Freude und auch der Fragen.

Ich möchte diese Offenheit nicht dadurch eingrenzen und abbrechen, indem ich die Antwort von Weihnachten gleich dazugebe.

Wir warten auf etwas, das kommt.

Wir warten auf den, der kommt.

Halten wir sie ruhig einmal aus, diese Zeit der Erwartung, deren Erfüllung noch in der Zukunft liegt.

Zünden wir die dritte Kerze am Adventkranz an – und dann die vierte, ohne gleich den voll erleuchteten Weihnachtsbaum vor Augen zu haben.

Gönnen wir uns diese eineinhalb Wochen noch bis zum Hl. Abend.

Vielleicht gibt es noch das eine oder andere auf- und auszuräumen bis dahin.

Vielleicht gibt es noch die eine oder andere Frage, die sich in diesen Tagen oder an den Abenden im Flackern der Kerzen leise, aber deutlich zu Wort melden möchte.

Jedenfalls schadet es uns bestimmt nicht, die Frage Jesu an die Anhänger seines Vorboten Johannes mitzunehmen in unsere letzten vorweihnachtlichen Tage:

"Was seid ihr hingegangen zu sehen…?“

Und die Botschaft Johannes des Täufers und vorher schon des Propheten Jesaja mit zu bedenken, im Blick auf uns selber und auch auf unsere Aufgabe als Gemeinde und Kirche, und als Christinnen und Christen in dieser Welt:

„Bereitet dem Herrn den Weg“!

Amen.

 

Predigt 6.n.Trin. 27.Juli 2014 Eisenstadt

Worte, die berühren (Psalm 91, 11)

Evang. Kirche Eisenstadt

(Einführung von Christine Posch als Lektorin mit Sakramentsverwaltung; gemeinsame Feier des Hl. Abendmahls; Segnung von Ruth Gassner, Hans und Inge Tremmel nach Absolvierung des einjährigen „Ökumenischen Lehrgangs für seelsorglichen Besuchsdienst“; Taufe von Samu Brückler unter Mitwirkung der Familie; Reisesegen für die Teilnehmenden an der Gemeindefahrt nach Südfrankreich „Über allem ein Hauch von Lavendel“)

 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde!

Worte, die berühren. Worte der Heiligen Schrift, die in unser Leben hineinschwingen, es vielleicht sogar länger begleiten.

Der Konfirmationsspruch, den sich die Jugendlichen selber aussuchen und über den sie auch eine Predigt schreiben. Eine ganze Anzahl davon wird dann bei der sogenannten „Konfirmandenprüfung“ von der Kanzel des Pfarrers gehalten – von den Jugendlichen. Unzensuriert. Unplugged.

Worte, die berühren. Bibelverse, die uns ansprechen. Manchmal unvermutet wie aus dem Hinterhalt, manchmal hartnäckig wie eine treue Freundin. Ein Wort aus dem Lösungsbüchlein als Wegweiser für den Tag.

Wir taufen in unserer evangelischen Kirche ganz bewusst kleine Kinder. Weil wir davon überzeugt sind und darauf vertrauen, dass die Liebe Gottes einem jeden Kind vorausgeht. Wir sind geliebt, bevor wir etwas geleistet haben. Einfach so. Weil wir da sind. Originale Gottes. Unverwechselbar.

Und deshalb ist die Taufe eines Kindes auch eine Art revolutionärer Akt. Ein Aufstand gegen eine Leistungsgesellschaft, in der Menschen nur dann etwas wert sind, wenn sie etwas leisten. Und nur solange etwas wert sind, solange sie etwas leisten können.

Und deshalb ist die Taufe eines Kindes auch ein großes Stück Verantwortung. Nicht nur für dieses süße kleine Leben, das der Familie geschenkt wurde. Sondern auch der Blick auf die vielen Kinder in der Welt, denen es nicht so gut geht, die unter Hunger und Krieg und Gewalt und Flüchtlingselend leiden. #

Unser Leben ist verknüpft mit Gott von Anfang an. Eltern und Paten und die Kirche übernehmen auch die Verantwortung dafür, dass dieses kleine Kind hineinwächst in den Glauben, in das Vertrauen … einen Grundwasserspiegel an Glaube, Hoffnung, Liebe erhält, aus denen die Wurzeln auch dann noch Kraft ziehen können, wenn es dürre Jahre gibt und die Hand der Eltern das Kind nicht mehr durchs Leben begleiten kan.

Eine Geburt ist immer ein einschneidendes Erlebnis. Ich erinnere mich noch, wie ich unsere älteste Tochter die ersten beiden Stunden ihres Lebens im Arm gehalten habe – jetzt ist sie 29 geworden, auch bei den anderen Geburten war ich dabei. Prägende Erlebnisse für das ganze Leben.

Und dann die Taufe. Taufkerze und ein Taufspruch Ein Wort der Heiligen Schrift, das das Kind auf seinem Lebensweg begleiten soll. In den Taufgesprächen übergebe ich die Verantwortung dafür der Familie – den Eltern, den Paten, manchmal auch den Großeltern oder den Geschwistern.

 

Worte, die berühren. Welche Worte möchten Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben?

Ich habe die Beobachtung gemacht, d.h. sie hat sich aufgedrängt, dass ein Wort der Heiligen Schrift in den letzten Jahren besonders häufig als Taufspruch ausgewählt worden ist. Egal, ob die Eltern in der Bibel gesucht haben, im Internet gegoogelt oder eine vorhandene Liste durchforstet haben – ein Bibelwort steht seit Jahren mit großem Abstand an der Spitze.

Ich habe kurz nachgeblättert. In den letzten dreieinhalb Jahren 16 Mal. Alle anderen liegen weit dahinter:

1.Kor. 13 für die Bibelkundigen unter uns oder Josua 1 – so 4 bis 5 Mal, erstaunlich oft Verse aus den Mosebüchern (vielleicht haben die Eltern am Anfang der Bibel zu blättern begonnen), auch aus den Johannesbriefen (da steht viel über die Liebe).

Worte, die berühren. Die Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben wollen.

Von den 11 Taufen heuer wurde 5x dieser Vers gewählt, und zwar völlig unabhängig voneinander.

Es gibt Tausende von Bibelversen, in einer Vorlage sind über 500 vorgeschlagen – und 5 von 11 Eltern entscheiden sich für ein Wort …

Nicht Psalm 23 … das ist eine andere Generation … was würden Sie raten?

Regelmäßigen Gottesdienstbesuchern ist das natürlich schon aufgefallen, weil ja die meisten Taufen bei uns im Gottesdienst ihren Platz finden.

Es ist Psalm 91, Vers 11:

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen“

Manchmal wird auch Vers 12 hinzugefügt:

„daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

5 von 11 Taufeltern dieses Jahres haben unabhängig voneinander dieses Psalmwort als Lebensbegleit-Wort für ihr Kind ausgewählt. Unabhängig auch von ihrer Bindung zur Kirche oder ihrer Kenntnis der Bibel.

Was schließe ich als Pfarrer daraus?

Was schließen Sie daraus?

Worte, die berühren.

Ich habe vier der fünf Taufeltern erreicht und sie gefragt, warum sie dieses Bibelwort gewählt haben. Alle haben gerne ihre Kooperation zugesagt, wie überhaupt diese Taufen nicht nur der letzten Zeit sehr bewusst und auch mit geistlicher Substanz und Bereitschaft zur Mitwirkung geprägt waren. Nicht immer, aber oft … immer öfter.

Hier die kurzen Antworten der Eltern, die ich ohne Kommentar und Wertung weitergebe - auch ohne Namensnennung, sofern sie sich nicht aus der Antwort selbst ergibt.

Antwort 1:

„Meine Entscheidung für den Spruch kam aus dem Herzen und ist mit dem Wunsch verbunden, dass dort, wo die Augen zu schwach und die  Hände zu kurz sind, nur eine höhere Macht helfen und heilen kann. Und da Gott nicht überall sein kann, hat er seine Helferlein gesandt, die - wenn ich nicht greifbar bin - die Flügel ausbreiten und mein Kind führen und leiten.“

Antwort 2:

Sehr geehrter Herr Pfarrer!

Anbei wie versprochen unsere Begründung zur Auswahl des Taufspruches:

In der heute schnelllebigen Zeit wünscht man sich doch nichts mehr als Jemanden (Engel), die das Wichtigste in unserem Leben (unsere Kinder) beschützen und behüten – daher haben wir uns auch  für diesen Spruch entschieden.

Mit freundlichen Grüßen …“

Antwort 3:

„Wir haben diesen Taufspruch gewählt, weil wir uns alle einig waren (Taufpaten, Eltern, Großeltern), dass dieser Taufspruch am besten zu unserer Celina passt.

1.) Weil Celina für uns alle ein Engel ist.

2.) Weil Celina "Himmel" bedeutet und die Engel sich im Himmel befinden.

3.) Weil wir hoffen, dass Celina von den Engeln behütet wird, gesund, lebensfroh und mit dem Glauben aufwachsen kann.“

Antwort 4:

„Wir haben diesen Taufspruch aufgrund der Komplikationen am Anfang der Schwangerschaft gewählt. Jeden Tag haben wir alle gehofft, dass Gott Samus Schicksal in die Hand nimmt und alles zum Guten wenden wird. Letztendlich war es auch so und wir haben uns noch nie in unserem Glauben so bestätigt gefühlt. Wir hoffen sehr, dass er auch weiterhin von seinem Engel begleitet wird.“

Ich möchte diese Antworten nicht kommentieren, auch nicht auf allfällige theologische Stichhaltigkeiten hin überprüfen, sondern sie einfach stehen lassen – als Ausdruck der Sehnsucht von Familien, dass ihr Kind in seinem Leben beschützt und behütet wird, über die Liebe und die Möglichkeiten der Eltern und Paten hinaus.

Psalm 91, Vers 11:

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen“

16 Mal in den letzten dreieinhalb Jahren, bei fünf von elf Taufen heuer. Das regt zum Nachdenken an und dieses Nachdenken wollte ich heute mit Ihnen teilen.

Engel sind nicht Wesen mit Flügeln, zumindest in der Bibel nicht, sie sind Boten .... Boten der Liebe Gottes - die können aussehen wie du und ich und manchmal haben sie das Gesicht von nebenan.. und im Wort Evangelium steckt der Engel, der Bote auch ...

Und manchmal … mit einem Gedicht von Rudolf Otto Wiemer:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

(aus: Rudolf Otto Wiemer, Der Augenblick ist noch nicht vorüber, Kreuz Verlag, Stuttgart 2001, (c) Rudolf Otto Wiemer Erben, Hildesheim.)

 

Im Morgen- und im Abendsegen Martin Luthers heißt es, beide stehen im Gesangbuch: "Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde".

Worte, die berühren. Worte der Heiligen Schrift, die in unser Leben hineinschwingen, es vielleicht sogar länger begleiten.

Wohl auch deshalb, weil sie eine Sehnsucht in uns ansprechen … eine Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit … eine Sehnsucht nach Bewahrung und Geleit auf guten Wegen … für unsere Kinder, für uns alle.

„Beten wir füreinander“ hieß es im Predigttext aus dem 2.Thessalonicherbrief vom letzten Sonntag. Auch dafür, dass diese Sehnsucht auch in unserer Gemeinde ein Zuhause findet.

Worte, die berühren.

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen“

Siegfried Fietz hat vor einiger Zeit ein Lied geschrieben, dass über ein Jahr in der Hitliste christlicher Lieder in Deutschland ununterbrochen auf Nr. 1 stand. Er hat es auch schon mehrfach in unserer Kirche gesungen: „Manchmal brauchst Du einen Engel“.

Und denken Sie manchmal daran: Der Engel - der Bote Gottes- könnte der Mann, die Frau, das Kind neben Ihnen sein – oder Sie selber für das Kind, die Frau, den Mann neben Ihnen …

Amen.

CD-Einspielung: „Manchmal brauchst du einen Engel“ (S. Fietz)

 

Pfarrer Dr. Herbert Rampler

 

 

Predigt: Psalm 91

Evang. Kirche Eisenstadt, 29.September 2013 (Michaelis)

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.

Ich lade Sie ein, gemeinsam den Predigttext zu lesen: Psalm 91 (EG 736 im Wechsel)

Psalmen .. 150 an der Zahl .. mitten in der Bibel

Psalmen .. Gebete, Loblieder, Klageschreie, Mut und Verzweiflung ganz eng beieinander

„Hinter jedem Psalm steht ein menschliches Herz“ ..

(Michael Meyer, abgewandelt)

.. und so verschieden wir sind und so unterschiedlich unsere Situationen und Gefühle, so unterschiedlich sind auch die Psalmen..

Heute Psalm 91, den wir gemeinsam gebetet haben, den Sie vor sich haben ...

Bilder, uralt und doch mitten aus unserem Leben gegriffen...

Schirm und Schatten...

Zuversicht und Burg ... Hoffnung

Als Überschrift könnte man über Psalm 91 setzen: Geborgenheit trotz Anfechtungen und Schwierigkeiten und Problemen

Wer meint, dass in seinem Leben alles so ist, wie es sein sollte… wer keine Probleme hat und keine Nöte und Bedrängungen … wessen Leben sich so anfühlt wie ein Spaziergang über einen Regenbogen (der allerdings auch erst nach dem Regen wundersam auftaucht), wessen

geistliches Leben sich auf einem dauernden Hoch befindet ...

der oder die wird mit dem 91 Psalm wenig anfangen können …

Den meisten wird es anders gehen und die lade ich ein, nachzudenken ... wirklich diesen Bildern nach-zu-denken ... hinterherzugehen ... sie näher zu betrachten und mit heim zu nehmen....

Vorschnelle Lösungen hat wohl kaum jemand anzubieten, weder für die politische Weltlage noch für die Wirtschaftskrise noch für die Börsenkurse, noch für die Situation zu Hause oder im Büro...

Ein Stück Evangelium vielleicht ... in dem Wort Ev-angel-ium steckt der Engel, auf englisch angel, auf deutsch „Bote“, Überbringer einer Nachricht, einer guten Nachricht .. das könnte der Psalmdichter für uns sein ...

Überbringer einer guten Nachricht..

Ein Psalmdichter, der davon weiß, dass wir nicht in einer heilen Welt leben,

der davon weiß, dass unser Leben nicht ungebrochen und nicht ganzheitlich und nicht frei von Dunkel ist,

der von Bedrohungen und Ängsten weiß, von Sorge und Trauer –

und trotzdem von Gottes Schutz und Bewahrung und Geborgenheit redet .. trotzdem oder auch gerade deswegen...

Seine Bilder, denen nachzusinnen sich lohnt ..

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt .. ein Schirm an einem Regentag, wenn es Schusterbuben schüttet .. und dann einen Schirm zu haben ...

Als Steirer fällt mir dazu immer gleich die Geschichte von Peter Rosegger ein (nimm in mit, lass in do) .. Kennen sie die?? Sie ist grade eben 100 Jahre alt und obwohl Rosegger eine für seine Zeit ausgesprochen aufgeschlossene und moderne Persönlichkeit war, noch nicht gendermäßig adaptiert. (Stoansteirisch, S.98) Wenn Sie wollen, lese ich sie Ihnen nachher beim Kirchenkaffee vor.

Das Bild des Schirms.

Unter dem Schirm des Höchsten .. da gibt’s noch jemand, der ist größer .. als mein Vater, mein Lehrer, mein Chef (jeweils auch in der weiblichen Form) .. da gibt’s noch mehr und Höheres als das, was mir angeschafft wird, was ich zu tun habe, mehr als Stundenpläne und Tagesordnungspunkte und Verpflichtungen ....

Wer unter dem Schirm des HÖCHSTEN sitzt ...

Und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt ...

Ein glühendheißer Sommertag .. irgendwo im Süden oder auch bei uns in Burgenland, wo die Sonne nicht nur ein Marketingobjekt ist, sondern manchmal Mühe macht, nicht nur den Bauern... Sonne .. Ein heißer Sommertag, von denen es heuer viele gab …

ohne Haus, ohne Baum....

und dann ein Schatten .... ein Platz zum Ausruhen, sich den Schweiß von der Stirne wischen, auftanken, neue Kraft finden ...

Daraus wächst Zuversicht, Zuversicht trotz allem, Geborgenheit .... wie in einer Burg...

Eine Burg ....eine Zuflucht ....ein Zuhause....

Trotz allem, was passiert, was bedrängt und Angst macht ...

Unser Psalm ist voll von alten Bildern und Erfahrungen ...

Die beim Nachsinnen in einer ruhigen halben Stunde Vieles in uns aufsteigen lassen…

Der Strick des Jägers und die verderbliche Pest ..

Das Grauen der Nacht, die schlaflosen Stunden und die trüben Gedanken..

So vieles klingt in unserem Psalm an / an alten Bildern und Erfahrungen ...

Die Pfeile, die des Tages fliegen, die spitzen Bemerkungen, der verletzende Spott, äußere und innere Feinde .... wie weh können manchmal Worte, unbedachte Äußerungen tun … auch bewusst gespitzte Pfeile …

Und trotz alledem ..

Eine Burg ....eine Zuflucht ....ein Zuhause....

Wenn ich so in die Runde schaue .. gibt es jemanden ohne Sorgen, ohne Problem, ohne Ängste .... Und trotz alledem … Eine Burg ....eine Zuflucht ....ein Zuhaus....

„Ein feste Burg ist unser Gott“. Das bekannteste Reformationslied, von Martin Luther nach Psalm 46 gedichtet, in Ungarn und in Sziget in der Wart ist sogar ein Gruß unter Evangelischen daraus geworden.

„Ein feste Burg“ ist eigentlich kein protestantisches Trutzlied, sondern ein Lied der Geborgenheit bei Gott.

Singen wir die ersten beiden Strophen (EG 362). (leise)

Eine Burg ....eine Zuflucht ....ein Zuhaus....

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus..“ .... dieses Lied werden wir nach der Predigt singen ..

Nebenbei ein umstrittenes Lied: Für die einen ein oberflächliches Bild von Gott, für die anderen ein Bild der Geborgenheit und Ruhe … ich zähle zu letzteren, weil ich das Meer liebe und die Dünen und den Wind

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus..“ ....

Schirm und Schatten

Eine Burg ....eine Zuflucht ....ein Zuhaus....

Psalm 91... „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“

Noch eine Nebenbemerkung: Wir haben schon manchmal über die Versuchungsgeschichte aus Matthäus 4 nachgedacht, auch über die literarische Bearbeitung im „Großinquisitor“ von Dostojewski und über die Fragen des Versuchers, der Jesus ausgerechnet mit Bibelstellen durcheinanderbringen und von seinem Weg abbringen will.

„Wenn du Gottes Sohn bist, dann wirf dich hinab. Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben, im Herzen der Botschaft des Alten Testaments (5.Mose 6,16): „Du sollst dein Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Es ist interessant, dass dieser Vers unter den von den Eltern für ihre Kinder gewählten Taufsprüchen in den letzten Jahren mit großem Abstand an erster Stelle steht.

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Eine der wunderbarsten Vertonungen dieses Psalms stammt von Felix Mendelssohn-Bartholdy - ich zitiere: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ – ein fast schon überirdischer achtstimmiger Gesang mit wechselnden Männer- und Frauenstimmen.

Einspielung:

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): Denn er hat seinen Engeln befohlen (CD 14; Nr. 9)

Engel sind nicht Wesen mit Flügeln, zumindest in der Bibel nicht, sie sind Boten .... Boten der Liebe Gottes, die können aussehen wie du und ich und manchmal haben sie das Gesicht von nebenan.. und, wie gesagt, im Wort Evangelium steckt der Engel, der Bote auch ...

Und manchmal … mit einem Gedicht von Rudolf Otto Wiemer:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht,
der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein,
der Engel.
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein –
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

(aus: Rudolf Otto Wiemer, Der Augenblick ist noch nicht vorüber, Kreuz Verlag, Stuttgart 2001, (c) Rudolf Otto Wiemer Erben, Hildesheim.)

Schirm und Schatten

Eine Burg ....eine Zuflucht ....ein Zuhaus....

Im Morgen- und im Abendsegen Martin Luthers heißt es, wir haben ihn am Anfang des Gottesdienstes gemeinsam gebetet: "Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde".

Geborgen trotz allem ....

Wie ein Schirm an einem Regentag.. wie ein Schatten in der heißen Sonne ..

Wie eine Burg ... inmitten aller Kämpfe und Fragen ... eine Zuflucht ..

Und wie ein Zuhaus ..... Amen.

 

 

Predigt in der Evang.Auferstehungskirche Eisenstadt am 1.12.2013

So haben wir nun, liebe Brüder und Schwestern, durch das Blut Jesu die Freiheit, ins Heiligtum einzutreten. Diesen Zutritt hat er uns verschafft als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heisst durch sein Fleisch. Auch haben wir nun einen grossen Priester über das Haus Gottes. Lasst uns also hinzutreten mit aufrichtigem Herzen in der Fülle des Glaubens, das Herz gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Lasst uns festhalten am unverrückbaren Bekenntnis der Hoffnung, denn treu ist, der die Verheissung gab. Und lasst uns darauf bedacht sein, dass wir einander anspornen zur Liebe und zu guten Taten: Wir wollen die Versammlung der Gemeinde nicht verlassen, wie es bei einigen üblich geworden ist, sondern einander mit Zuspruch beistehen, und dies umso mehr, als ihr den Tag nahen seht.

Hebräer 10 v.19-25 (Zürcher Bibel 2007)

Liebe Gemeinde!

“Prinzip Hoffnung”: Unter diesem Titel hat der Philosoph Ernst Bloch ein großes Werk veröffentlicht, das mit folgenden nachdenkenswerten Sätzen endet:

“Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer realen. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.” Soweit der Philosoph.

Ich gestehe, dass mich die vorwärts drängende Gestimmtheit dieser Sätze immer wieder fasziniert. Die marxistische Utopie, die Bloch im Auge hat, ist zwar in einer schlimmen Realisierung unter ungeheuren Opfern gescheitert, und der umgestaltende Mensch hat nicht nur positiv Großes geleistet, sondern beschwört fortwährend auch wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Katastrophen herauf. Trotzdem ist die Sehnsucht nach einer ganzen, heilen Welt nicht auszurotten, in der wir uns wirklich zu Hause fühlen, in der Freiheit und Liebe zusammenfinden, in der sich Gerechtigkeit und Frieden küssen, dass etwas entsteht, “das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat”.

Wir feiern Advent. Ich erinnere mich an meine Kindheit in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Da waren Kälte und Dunkelheit nicht nur meteorologische Gegebenheiten. Denken Sie an die berühmte Weihnachtsansprache Leopold Figls zum Weihnachtsfest 1945, in der er seine hilflose Armut bekannte, aber zum Glauben an eine gute Zukunft Österreichs aufrief. Und dann doch die Kerzen, das wachsende Licht gegen die Dunkelheit, die tägliche süße Ration aus dem Adventkalender, die die Spannung auf das Fest beförderte und wach hielt, und schließlich der festliche Abend mit dem Christbaum und der Geschenküberraschung. Ich war restlos ausgefüllt mit Glück, wie es nur ein Kind sein kann, obwohl nach heutigem Maßstab alles von beschämender Armut war.

Dies Erleben hat sich tief in die kindliche Seele eingeprägt. Noch bevor ich es im Denken fassen konnte, habe ich das Wunder der Weihnacht erlebt, was es bedeutet, dass Gott, der Schöpfer des Universums, in unsere dunkle Welt kommt, um unser Leben zu teilen und uns aus allem Elend wieder in die ewige Heimat zu führen. Welche Mühen, welche Kämpfe dann auch noch kommen sollten, diese Erinnerung war nicht mehr zu löschen und blieb als Sehnsuchtspotential erhalten. Wohl uns, wenn wir auch unseren Kindern dies frohmachende Geheimnis vermitteln können!

Wir haben es heutzutage aber schwer. Mit tiefen Emotionen lassen sich gute Geschäfte machen. Nicht nur sex sells.Und so überstrahlen die Neonleuchten die Kerzen, wird die Adventzeit zu einem Wirtschaftstermin, die kostbaren Weihnachtslieder werden bis zum Überdruss als Animationsmittel in den Warenhäusern eingesetzt, und der Glaubensinhalt des Festes verliert sich. Wir können die Weihnachtsfreude nicht erzeugen und kaufen, sie ist und bleibt ein wunderbares Geschenk Gottes, verdankt sich seiner Aktion. So fühlen sich viele Menschen um ihre kindlichen Erfahrungen und die daraus resultierenden Erwartungen betrogen. Die Adventzeit erfüllt sie mit schmerzlicher Nostalgie und sie fliehen vor dem Fest in die Karibik.

Wenn wir die frohe Botschaft der Engel auf dem Hirtenfeld wirklich ernst nehmen, genügt es nicht, Advent nur als Vorbereitungszeit auf das Erinnerungsfest der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem zu feiern. Über der Krippe erhebt sich der Schatten des Kreuzes. Wir glauben nicht an das Kind, sondern an den Mann Jesus Christus. Wenn wir mit ihm gehen, bleibt uns auch die Bitterkeit der Kreuzeserfahrung nicht erspart, das Scheitern von Lebensentwürfen, körperliches Leiden, Enttäuschung und Tod. Aber auch das ist nicht das Letzte. Auf den entscheidenden Schöpfungsakt Gottes kommt alles an: Mit der Auferweckung des Gekreuzigten zu einem unzerstörbaren Leben beginnt eine neue Welt. Unsere Sehnsüchte werden in reale Hoffnung verwandelt. Das ist es, “was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war”, die himmlische Heimat, in die Gott uns führt. Wir dürfen und müssen also vom Ende her denken und die Adventkerzen an der Osterkerze entzünden.

Der Advent auf Weihnachten hin, die Feier der Ankunft Gottes im Fleisch, seine Menschwerdung sind aufgehoben in dem anderen letzten Advent, der Ankunft des himmlischen Christus in seiner Herrlichkeit, wenn er das Reich Gottes aufrichtet, ohne dass es wieder in Widersprüche gerät. So wird unser jährlicher Advent herausgeholt aus der Wiederholung eines Mythos und zu einer Labestation der großen Hoffnung auf ein Ende aller Entfremdung und auf den Eingang in die ewige Heimat.

In die fröhliche Erwartungsspannung dieser großen Hoffnung auf die Weltvollendung möchten die verlesenen Bibelverse aus dem Hebräerbrief die durch die Zeiten wandernde Gemeinde wieder einweisen. Auf der Folie des alttestamentlichen Opferkultes und seiner Sprache erinnert er an das Heilsereignis, dass Jesus als Opferlamm und Hoherpriester zugleich mit seiner Lebenshingabe den Weg zu Gott freigemacht hat. Wenn wir mit ihm verbunden sind, fallen die Lasten unserer Schuld ab, die uns oft genug wie Bleigewichte niederdrücken und uns gefangen halten. Wir genießen nun königliche Freiheit, lernen neu den aufrechten Gang und haben freien Zugang zu Gott. Priesterliche Vermittlung und wiederholte Opferungen sind abgeschafft. Das verleiht der Gemeinde Kraft und Zähigkeit an der großen Hoffnung festzuhalten und gespannt auf den Tag des Herrn zu warten.

Aber das hapert´s offenbar bei den Christinnen und Christen, an die der Hebräerbrief gerichtet ist. Die dritte Generation der Urchristenheit ist anscheinend schon müde geworden, die Hoffnung brüchig. Viele kommen nicht mehr zu den Gemeindeversammlungen. Irgendwie fühlen wir uns in der Gegenwart ertappt. Die Zahl unserer Gemeindemitglieder ist durchwegs größer als die derer, die aktiv am Gemeindeleben teilnehmen. Die evangelische Minderheit in Österreich wird immer geringer, und die Christenheit in Österreich scheint insgesamt an Gewicht zu verlieren.

Aber das sind nur die äußeren Zeichen. Der innere Substanzverlust in einer Wohlstandsgesellschaft ist das wirkliche Problem.

Dagegen stemmt sich der Hebräerbrief. Er erinnert an die unermüdliche Treue Gottes und spannt den Hoffnungsbogen neu. Er belebt die Erwartungshaltung und gibt neuen Mut.

Wir feiern heute Kirchweih. Dankbar erinnern wir uns an Bernhard Zimmermann und die Brüder und Schwestern, die es in der besonderen, für das Burgenland so untypischen Ev.Pfarrgemeinde Eisenstadt-Neufeld a.d.Leitha gewagt haben, 1935 in schwerer “Zwischenkriegszeit” die Auferstehungskirche zu bauen. Ebenso dankbar freuen wir uns, dass heuer, im Juni 2013, das neue Gemeindezentrum eingeweiht werden konnte. Gewiss, die Erde ist des Herrn, und die Gemeinde Jesu Christi kann sich überall zum Gottesdienst versammeln, sie bedarf keiner speziell “heiligen” Räume.

Aber wir sind doch glücklich, dass wir besondere Orte haben, wo wir uns treffen können, um auf Gottes Wort zu hören, zu singen, zu beten und die Sakramente zu feiern, und auch um uns geschwisterlich auszutauschen in froher Runde. Die Stunden der Besinnung, der empfangene Trost, die Stationen der Glaubensbiographie Taufe, Konfirmation und Trauung: Sie schaffen eine besondere Aura und “heiligen” dann doch auch die Räume unseres Zusammenkommens. Sie sind zwar solide aus Steinen gebaut, aber in Bezug auf unsere Pilgerschaft durch die Zeit doch nur Zelte, in denen wir Oasen der Ruhe und der Erquickung unseres Glaubenslebens erfahren.

Danach gilt es wieder aufzubrechen und auf dem Weg einander in liebevoller Gemeinschaft zu helfen und zu ermutigen. Wir folgen keinem P r i n z i p Hoffnung, sondern gehen voller Zuversicht dem Tag des Herrn entgegen und rufen gemeinsam in den Mühen und Kämpfen unseres Pilgerlebens: O Heiland, reiß die Himmel auf. Amen

Klaus Heine

Orgelmeditation zu “O Heiland, reiß die Himmel auf“

 

 

129 Fragen. 129 Antworten.

Hinführung zur Ausstellung „450 Jahre Heidelberger Katechismus“

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde!

129 Fragen.

129 Antworten. (Karten herzeigen)

Das ist der Heidelberger Katechismus, dessen 450jähriges Jubiläum heuer in vielfältiger Weise begangen wird.

Ein kleines Buch mit großer Wirkung für reformierte und unierte Kirchen weltweit, ähnlich wie Martin Luthers Kleiner Katechismus für lutherische Kirchen. Seinen Namen hat der 1563 für die Kurpfalz veröffentlichte Katechismus von seinem Entstehungs- und ersten Erscheinungsort Heidelberg. Der pfälzische Kurfürst Friedrich III., später auch der Fromme genannt, gab ihn in Auftrag. Er wollte mit einem neuen Unterrichtsbuch die schulische und kirchliche Bildung in seinem Fürstentum auf eine solide und die verschiedenen Richtungen der Reformation zusammenführende Grundlage stellen.

Verfasser des aus 129 Fragen und Antworten bestehenden Textes ist hauptsächlich der aus Breslau stammende und an die Universität Heidelberg berufene junge Professor für Dogmatik Zacharias Ursinus (1534-1583). Er war Schüler Philipp Melanchthons in Wittenberg, hatte aber auch die Zürcher und Genfer Richtung der Reformation kennengelernt. So konnten sowohl lutherische und melanchthonische als auch zwinglische und calvinische Gedanken in sein Werk einfließen. Als Hinführung zur eigenständigen Bibellektüre wurden dem Text auf Wunsch des Kurfürsten Bibelstellen an den Rand gestellt.

In unserem Gesangbuch finden wir nicht nur Lieder und Gebete, sondern neben manchen nützlichen Informationen auch die wichtigsten Bekenntnisschriften, u.a. auch Luthers Kleinen Katechismus und eben auch den Heidelberger Katechismus, diesen unter Nr. 807.1

Wozu soll ein Katechismus gut sein?

Er soll die Grundlagen des Glaubens vermitteln, vor allem den Kindern, aber auch die Erwachsenen sollen immer wieder diese Grundlagen des Glaubens vertiefen.

Luther macht das in seinem „Kleinen Katechismus“ so – es gibt auch noch einen viel umfangreicheren „Großen Katechismus“ für die Lehrer und Pfarrer -, dass er die Hauptstücke des Glaubens der Reihe nach erklärt:

  1. Die zehn Gebote, 2 Das Glaubensbekenntnis, 3.Hauptstück: Vaterunser, 4. Das Sakrament der Heiligen Taufe, 5. Das Sakrament des Altars oder Das Heilige Abendmahl. Und dann interessanterweise als Abschluss, ohne eigene Zählung, aber als eigener Abschnitt: Vom Amt der Schlüssel und Von der Beichte.

Und dazu stellt er immer Fragen zum Inhalt, erklärt die Grundsätze des Glaubens. Am bekanntesten ist ja die Frage „Was ist das“, also „was bedeutet das“, und dann folgt die Erklärung.

z.B. gleich am Anfang: Das erste Gebot

„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Was ist das?

„Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten (also Ehrfurcht haben, lieben und vertrauen.“

Luther war ja kein Systematiker, der reformatorische Lehrmeinungen geordnet aufgeschrieben hätte. So finden sich viele seiner grundlegenden und besten Aussagen manchmal versteckt in verschiedenen Schriften, Auslegungen und Predigten. So etwa in seinen Invokavit-Predigten, die wir schon mehrfach bedacht haben, in den Vorlesungen zum Römer- oder Galaterbrief … und auch z.B. in seiner Erklärung zum 3.Glaubensartikel. Nachzulesen in unserem Gesangbuch unter Nr. 806.1.

Der Heidelberger Katechismus aus dem Jahre 1563 geht einen anderen Weg:

Er behandelt im wesentlichen die selben Glaubensgrundsätze wie Luther, aber in Frageform, in neun Abschnitte unterteilt.

129 Fragen.

129 Antworten.

Wobei der ersten Frage ein besonderer Stellenwert zukommt – ich komme darauf zurück.

„Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen

Gläubigen und ‚die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören’ [Joh 10, 3], denn also beten

die Kinder: ‚Ich glaube an die heilige christliche Kirche ...’” (Schmalkaldische

Artikel, XII).

Martin Luther hat dies in seinen Schmalkaldischen Artikeln 1537 geschrieben.

Man fragt: Was mögen das für Zeiten gewesen sein, in denen ein Kind so genau über den Glauben Bescheid gewusst hat. Und natürlich fragen wir auch, was denn siebenjährige Kinder heutzutage so alles lernen im Fernsehen und am Computer.

 

Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei…

Aber wissen es die Erwachsenen?

Die Älteren haben vielleicht im Konfirmanden- oder Religionsunterricht noch Luthers Kleinen Katechismus gelernt und könnten sogar auf die eine oder andere Frage „Was ist das?“ heute noch eine Antwort geben. Aber viele Evangelische haben den Kleinen Katechismus nicht nur nicht gelernt, sondern auch noch nicht gelesen. Wissen nicht, dass er im Gesangbuch steht und haben vielleicht gar kein Gesangbuch zuhause.

Die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule, nun der Neuen Mittelschule und des Gymnasiums sollten das Gesangbuch übrigens neben der Bibel als Schulbuch bekommen.

Natürlich ist der Glaube eine Sache des Herzens. Aber für die Evangelischen war es immer besonders wichtig, dass Glaube auch mit Bildung zu tun hat. Dass auch einfache Leute lesen und schreiben und damit die Bibel aus erster Hand lesen können. Dass die Bibel und auch der Katechismus in der Schriftsprache der einzelnen Länder vorhanden sind.

Wir haben es auf unserer heurigen Gemeindefahrt durch alle baltischen Länder immer wieder erfahren, dass es vor der Reformation keine Verschriftlichung der Sprache gegeben hat. Und was war das erste Werk, das den Menschen die eigene Schrift geschenkt hat?

Richtig, der evangelische Katechismus.

So wie es auch in Slowenien war. Die Teilnehmer an der damaligen Gemeindefahrt werden sich noch erinnern. Das erste Werk in slowenischer Sprache war – richtig – der lutherische Katechismus. Übersetzt vom Reformator Primus Truber, dessen Schüler Stephan Consul, der seinerseits Trubers slowenische Übersetzung ins kroatische übertrug und einige Jahre Pfarrer hier in Eisenstadt/ Kismarton war mit dem speziellen Auftrag, die neu angesiedelten Kroaten zu evangelisieren.

Aber zurück zum slowenischen Reformator Primus Truber, auf dessen Spuren wir uns im Jahre 2008 gemacht haben. Er wird als Schöpfer der slowenischen Schriftsprache, nicht in erster Linie als Reformator, hoch geachtet. Schon der alte Zehn-Tolar-Schein zierte sein Bildnis; es findet sich auch auf den normalen Ein-Euro-Umlaufmünzen (seit 2007) (herzeigen) und auf der zweiten Zwei-Euro-Gedenkmünze der Republik Slowenien aus dem Jahr 2008.

Die Ein-Euro-Münze trägt das Bild Trubers. Die Umschrift um das Portrait ist ein Zitat aus Trubers Katechismus: „Stati inu Obstati“ und bedeutet „stehen und widerstehen“.

Und überdies ist im heute – bis auf das Übermurgebiet – fast ganz katholischen Slowenien der 31.Oktober Staatsfeiertag (das haben wir in Österreich noch nicht geschafft).

Soweit ein kleiner Streifzug über die Bedeutung des Katechismus nicht nur für den evangelischen Glauben, sondern auch für die sprachliche und bildungspolitische Entwicklung in heute vornehmlich katholisch geprägten Ländern.

Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei.

Aber wissen es die Erwachsenen?

Es gibt aus der Zeit des Geheimprotestantismus im Ennstal ganz berührende Akten. In Judenburg und in Rottenmann gab es sogenannte „Konversionshäuser“, in denen verdächtige Evangelische eingesperrt und zwangsbeglückt werden sollten. Dies vor allem in der Erntezeit, wo jede männliche Hand besonders schmerzlich vermisst wurde. Wer sich bekehren ließ oder so tat als ob, konnte im Winter, wo es kaum Arbeit gab, wieder auf den Ramsauer oder Schladminger Hof zurück – wer sich stur stellte, wurde nach Siebenbürgen verfrachtet.

Mir ist einmal ein Verhörprotokoll eines Ramsauer Bauernknechtes, eines Knechtes wohlgemerkt, in die Hände gekommen, wo er zur Grundlage seines Glaubens befragt wurde. Mit ganz deutlichen Spitzen gegen Papst und katholische Fehlentwicklungen hat er so gut über das Augsburger Bekenntnis Bescheid gewusst, nachdem die meisten von uns sich A.B. nennen und nicht lutherisch wie in Deutschland,

Er hat so gut über das Augsburger Bekenntnis und die Bibel Bescheid gewusst, dass ein Forscher kopfschüttelnd und anerkennend angemerkt hat: „Ich bezweifle, dass heute verantwortliche Presbyter, vielleicht nicht einmal Pfarrer, so gut Bescheid wissen über das eigene Bekenntnis wie jener einfache Bauernknecht aus dem 17.Jahrhundert.“

Die Pfälzische Kirchenordung von 1563 enthält übrigens genaue Angaben darüber, wie der Heidelberger Katechismus gebraucht und eingeprägt werden sollte. So sollte er im Gottesdienst fortlaufend vorgelesen werden.

Ich habe die Anweisungen in ein etwas verständlicheres Deutsch übertragen:

„Darum soll der Katechismus auf nachfolgende Form gehalten werden.

Erstlich weil das alte Volk im Papsttum ohne Katechismus auferzogen ist und darum leicht das Wesentliche der christlichen Religion vergisst, so ist es für notwendig angesehen, dass an allen Sonn- und Feiertagen in Dörfern und Flecken, desgleichen auch in den Städten, ehe man anhebt zu predigen, der Kirchendiener ein Stück aus dem Katechismus klar und verständlich fürlese, und zwar so, dass er an neun Sonntagen ausgelesen werde. (In Klammern: Das entspricht den neun Abschnitten). …

Am zehnten Sonntag soll der Pfarrer vor der Predigt die Sprüch (also die Bibelverse) vorlesen, in denen ein jeglicher seines Berufs erinnert wird, wie sie an das Ende des Katechismus gesetzt sind.

["Soll derhalben der catechismus auf nachvolgende form gehalten werden.
Erstlich dieweil das alte volck im bapsthumb one catechismus ist auferzogen und leichtlich der stück der christlichen religion vergisset, so ist für notwendig angesehen, daß an allen Son- und feiertagen in dörfern und flecken, deßgleichen auch in den städten, ehe man anhebt zu predigen, der kirchendiener ein stück auß dem catechismo klar und verstendtlich dem volck fürlese also, das er in neun Sontagen außgelesen werde. Den ersten Sontag biß auf den andern theil, den zweyten biß auf den artickel von Gott, dem son, den dritten biß an die frag von der himmelfahrt Christi, den vierden biß zur frag: Was hilft es dich, wenn du diß alles glaubest ?, den fünften biß zum heiligen abendmal, den sechsten biß zum dritten theil des catechismi, den sibenden biß zur frag: Was wil Gott im fünften gebot, den achten biß zum gebet, den neunden biß zum end deß gebets. Am zehenden Sontag soll der pfarherr für der predig die sprüch, darin ein jeglicher seines berufs erinnert wird, fürlesen, wie die zu end des catechismi gesetzt sein.“]

129 Fragen.

129 Antworten.

Der Heidelberger Katechismus, dessen 450jähriges Jubiläum heuer in vielfältiger Weise begangen wird.

Ein kleines Buch mit großer Wirkung für reformierte und unierte Kirchen weltweit, ähnlich wie Martin Luthers Kleiner Katechismus für lutherische Kirchen.

Und immerhin zählen zur „Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen“ zurzeit 230 evangelisch-reformierten Kirchen mit zusammen mehr als 80 Millionen Mitgliedern.

In Österreich sind die Evangelischen Kirchen A. und H.B., also lutherisch und reformiert, seit langem in einer weltweit fast einzigartigen Weise verbunden, mit gemeinsamer Kirchenverfassung, gemeinsamer Generalsynode und vielen anderen Verbindungen.

Abgesehen von der reformierten, ungarisch geprägten, Pfarrgemeinde in Oberwart gibt es in keiner evangelischen Gemeinde des Burgenlandes so viele Reformierte wie in Eisenstadt/ Neufeld, nämlich 32.

Es gibt also viele Gründe, die Wanderausstellung des Reformierten Bundes in Deutschland „450 Jahre Heidelberger Katechismus“ auch bei uns zu zeigen, als erste Ausstellung im neuen Gemeindezentrum, exklusiv für das Nordburgenland.

Dass mit dem lutherischen Bischof Michael Bünker und dem reformierten Landessuper-intendenten Thomas Hennefeld zwei der kompetentesten Fachleute für die Eröffnung der Ausstellung am nächsten Freitag und für den Abschluss eine Woche danach gewonnen werden konnten, freut uns sehr. Ich hoffe, dass möglichst Viele von Ihnen sich diese wertvollen theologischen Beiträge nicht entgehen lassen.

Es gibt auch Begleitmaterial zur Ausstellung, Führer, Taschen (herzeigen – aber nur wenige) und Karten.

129 Fragen.

129 Antworten.

Und eine weitere Karte: Was ist dein Trost? Das ist die Frage!

Das bezieht sich auf die erste Frage des Heidelberger Katechismus. Sie ist Allgemeingut evangelischen Glaubens geworden und zählt mit manchen Aussagen Luthers, wie eben die erwähnte Erklärung zum 3.Glaubensartikel, oder Melanchthons 7.Artikel des Augsburger Bekenntnisses über das Wesen der Kirche zu den genialen geistlich-theologischen Spitzensätzen reformatorischer Theologie.

Um aber dem Vortrag von Bischof Bünker und dem Glaubensseminar mit Landessuperintendent Hennefeld nichts vorwegzunehmen, und Ihnen trotzdem Ihrer evangelischen oder auch ökumenische Zunge etwas Gusto zu machen, schließe ich kommentarlos mit der ersten und letzten Frage, der 129., des Heidelberger Katechismus und ersuche Sie, die Antwort aus dem Gesangbuch gemeinsam zu lesen:

Frage 1: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

(Gemeinde) Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir selbst überlassen bin, sondern meinem Heiland Jesus Christus, der mit seinem Blut für alle meine Sünden bezahlt und mich aus der Gewalt des Teufels erlöst hat. Christus bewahrt mich so, dass mir – ohne dass mein Vater im Himmel es will – auch nicht ein einziges Haar ausfallen kann, und alles meiner Seligkeit dienen muss. Durch seinen Heiligen Geist gibt er mir die Gewissheit des ewigen Lebens und macht mich von Herzen willig und bereit, von nun an mit ihm zu leben.

Frage 129: Was bedeutet das Wörtchen »Amen«?

(Gemeinde) Amen heißt: das soll in Erfüllung gehen. Mein Gebet wird umso gewisser von Gott erhört, wenn es der ehrliche Wunsch meines Herzens ist.

In diesem Sinne: Amen.

 

P.S. Unter Verwendung von Materialen der offiziellen website: www.heidelberger-katechismus.net